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»GEGENSÄTZE SIND PAARE« - DIALEKTISCHE VERKNÜPFUNGEN

Bernhard Marx


Zusammenfassung
Paul Klee ist mit einem Denken in Gegensätzen vertraut. Ganz im Sinne des Romantikers Novalis versucht er in seinem bildnerischen Werk,  gegensätzliche Pole nicht nur in ihrer Widersprüchlichkeit und Getrenntheit, sondern auch in ihrer Zusammengehörigkeit und Verbundenheit aufzuzeigen und darzustellen. Dieser Vollzug kann als dialektische Verknüpfung verstanden werden. Sie beinhaltet neben der Akzeptanz der Gegensätze als Grundkategorie menschlicher Wahrnehmung die Hervorhebung ihrer spannungsgeladenen Einheit, und vollzieht sich sowohl auf der Seite des Künstlers (Produktion) als auch des Betrachters (Rezeption). Im künstlerischen Schaffensakt erfolgt die Verknüpfung wiederum auf zwei Ebenen, der formalen zwischen Realistik und Abstraktion bzw. Konstruktion und Intuition und der inhaltlichen zwischen Gegensatzpolen wie Ruhe und Bewegung, Licht und Dunkel, Chaos und Ordnung, Innen und Außen, Erinnerung und Erwartung, Leben und Tod. Mit dem Ausdruck ›Gegensätze sind Paare‹ will Klee verdeutlichen, daß ein Teil und sein Gegenteil trotz ihrer Eigenständigkeit aufeinander bezogen und damit verbunden bleiben.


Summary
Paul Klee is familiar with thinking in opposites. In the spirit of the Romantic Novalis, in his pictorial work he tries to show and represent contrasting poles not only in their contradictoriness and separateness, but also in their togetherness and connectedness. This execution can be understood as a dialectical linkage. In addition to the acceptance of opposites as a basic category of human perception, it includes the emphasis of their tension-laden unity, and takes place both on the side of the artist (production) and on the side of the viewer (reception). In the act of artistic creation, the linkage takes place again on two levels, the formal one between realism and abstraction or construction and intuition and the contentual one between opposites such as rest and movement, light and darkness, chaos and order, inside and outside, memory and expectation, life and death. With the expression 'opposites are couples' Klee wants to make clear that a part and its opposite, despite their independence, remain related and connected to each other.